Aus der Gemeinderatsfraktion

Antrittsbesuch von MdL Karl Klein im Reilinger Rathaus

CDU-Landespolitiker informiert sich über die Gemeindeentwicklung, Schulstandort und Flüchtlingssituation

CDU-Landtagsabgeordneter Karl Klein aus dem benachbarten Wahlkreis 37 Wiesloch stattete am Donnerstag seiner Heimatgemeinde einen offiziellen Antrittsbesuch ab. Denn im Wahlkreis 40, dem Reilingen angehört, haben die Christdemokraten bei der letzten Wahl das seit 1976 inne habende Direktmandat an den Grünen-Vertreter Manfred Kern verloren. Dass er nun als „Betreuungsabgeordneter“ im Wahlkreis Schwetzingen und damit auch in der Gemeinde, in der er aufgewachsen ist, wieder mehr zu tun hat, freut Klein. „Mein Anliegen ist es, dass Bürger, Verwaltung und Unternehmen weiterhin einen Ansprechpartner haben“. Begleitet wurde Klein vom CDU Fraktionssprecher und Gemeinderat Peter Kneis. „Für uns ist ihr Besuch schon etwas ganz Besonderes“, erklärte Bürgermeister Stefan Weisbrod mit gewissen Stolz. Denn Klein sei ein waschechter Reilinger, der als Mitglied des Landtages und jetziger Vorsitzender des Innenausschusses in Stuttgart eine schöne Karriere gemacht habe.
Gut eine Stunde nahm sich der CDU-Landespolitiker Zeit, um sich von Bürgermeister Stefan Weisbrod über die anstehenden Gemeindeprojekte und kommunalpolitisch heikle Themen informieren zu lassen.

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von links: Peter Kneis, Karl Klein, Stefan Weißbrod

Familienfreundliches Wohnbaugebiet

Einen ersten Schwerpunkt bildete das Baugebiet „Herten II“, das, von der Eigengesellschaft KWG Reilingen mbH entwickelt, die Zukunftsfähigkeit der Gemeinde sichern soll. Für die 120 Bauplätze sei die Nachfrage riesengroß, berichtete Weisbrod unter Verweis auf eine lange Bewerberliste. Das familienfreundlich angelegte Wohnbaugebiet erhalte eine bis auf fünf Betreuungsgruppen erweiterbare Kindertagesstätte. „Der erste Kindergarten in kommunaler Trägerschaft“, erfuhr der Landtagsabgeordnete, der um die schwierige Situation weiß, geeignete pädagogische Fachkräfte zu finden. Diesem Problem gelte ein besonderes Augenmerk der Landespolitik.
Eingehend auf die Flüchtlingssituation lobte Klein das Beispiel gebende Engagement der ehrenamtlichen Helfer, die sich gegenwärtig um 213 Menschen kümmern, die in Reilingen beherbergt werden. Ohne deren Hilfe wäre die schwierige und arbeitsintensive Aufgabe der Integration nicht zu bewältigen. Offen sprach Bürgermeister Stefan Weisbrod Klagen der Flüchtlinge über Qualitäts- und Wohnwerteinbußen an. Denn die Gemeinde sei bei der Anschlussunterbringung in Sammelunterkünften nicht immer in der Lage, das hohe Niveau der vom Kreis veranlassten Erstunterbringung in teils hochwertigen Wohngebäuden zu halten. „Wir erfüllen unsere Verpflichtungen im Rahmen unserer Möglichkeiten“, versicherte Weisbrod. Die Menschen kämen aber damit nicht immer zurecht.
Ohne Zweifel gebe es hier einen Klärungsbedarf zwischen Landkreisen und Kommunen, erkannte Karl Klein. Die Frage sei, ob der Rhein-Neckar-Kreis angesichts der momentan niedrigen Flüchtlingszahlen alle angemieteten Unterkünfte noch für die Erstunterbringung benötige oder diese nicht für die kommunale Anschlussunterbringung genutzt werden könnten. Für Klein stand fest: „Wir müssen vermeiden, dass die Gemeinden in unnötige Investitionen getrieben werden“.

Verbund mit Realschule als Alternative

Auch die im Verwaltungsraum noch ungelöste Zukunft der Bildungseinrichtungen stand zur Diskussion. „Wir hängen augenblicklich etwas in den Seilen“, ging Weisbrod auf das Auslaufmodell Werkrealschule und den gescheiterten Versuch, zusammen mit Neulußheim eine Gemeinschaftsschule zu etablieren, ein. Reilingen stehe vor der Überlegung, die Sekundarstufe auslaufen zu lassen oder auf eine Gemeinschaftsschule umzuschwenken. Schon jetzt bereiteten die in die umliegenden Gemeinden Oberhausen, Ketsch, Walldorf und St. Leon-Rot abwandernden Schülerströme erhebliche Probleme. „Für uns ist es sehr schwierig, eine Gemeinschaftsschule mit verändertem Raumprogramm und einem notwendigen Anbau alleine zu stemmen“, so Weisbrod. Und der glänzend dastehende Schulbau sei mit seinem vielseitigen Angebot eigentlich zu schade nur für einen Grundschulbetrieb.
„Wir sind eine Wohngemeinde und wollen unseren Kindern die Möglichkeit geben, hier eine weiterführende Schule zu besuchen“, unterstrich CDU-Fraktionssprecher Peter Kneis.
Angesichts des Themas Gemeinschaftsschule gab MdL Karl Klein den Rat, zunächst abzuwarten, ob diese Schulart auch auf Dauer Bestand haben wird, bevor Investitionen getätigt werden. Eine sinnvolle Alternative könne beispielsweise durchaus ein Verbund mit der Realschule Hockenheim oder Walldorf sein. Ohnehin sei es Ziel der Landesregierung, die Realschulen zu stärken. Um im Verwaltungsraum voran zu kommen, will Klein sich dafür einsetzen, dass ein unterstützendes Gespräch mit dem zuständigen Staatssekretär beim Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, Volker Schebesta, zustande kommt.
Im weiteren Gesprächsverlauf warb der Bürgermeister für einen direkten Anschluss des zu erweiternden Gewerbegebiets „Rott“ an die Landesstraße 723 (früher B 39neu). Auch der Gedanke, den Kraichbach in Zukunft erlebbar zu machen, war ein Thema.
Vielleicht gelingt es Klein auch, den Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Peter Hauck von einem Besuch des ersten Waldtages der Hardtwaldgemeinden am 18. September zu überzeugen. Eine Einladung nach Stuttgart ist bereits unterwegs.
„Die Entwicklung von Reilingen liegt mir ganz besonders am Herzen“, versicherte Karl Klein zum Abschluss seiner Visite. Er sei deshalb gerne bereit, deren Zukunftspläne soweit möglich zu unterstützen.

Bericht: Josef Dufrin; Foto: Norbert Lenhardt
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Bürgermeister Stefan Weisbrod